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Fitnessguru Fitzroy Gaynes “Ausdauer ist unnatürlich”

http://m.manager-magazin.de/lifestyle/fitness/a-1027566.html

10.04.2015  Fitnessguru Fitzroy Gaynes
“Ausdauer ist unnatürlich”
VON SARAH J. TSCHERNIGOW27.472
Fitnessguru Fitzroy Gaynes: Schwitzen für mehr Kraft Fotos
Hans-Jürgen Rösl
Fitzroy Gaynes ist 58, sein Körper sieht sehr viel jünger aus. Mit Genetik habe das nichts zu tun, behauptet er: In seiner Familie seien alle dick. Der Fitnesscoach setzt auf “Lifestyle-Training” statt auf Cardio-Sport. Denn nichts liege der Natur des Menschen ferner als Ausdauertraining, so Gaynes’ gewagte These.

mm: Herr Gaynes, Deutschland und England haben die größten Fitnessmärkte Europas. Trotzdem sind viele Menschen nicht fit. Warum?

Gaynes: Viele trainieren nicht, sondern üben. Sie müssen verstehen, dass Bewegung alleine nichts bewirkt. Wenn Bewegung der Schlüssel zum Erfolg wäre, dann wären alle Menschen fit, weil sich alle Menschen irgendwie bewegen. Aber sie tun es nicht intensiv genug.

mm: Was ist schon intensiv? Jemand, der bisher nur auf der Couch gelegen hat, für den sind zwanzig Minuten stramm gehen oder ein Tanzkurs besuchen ganz schön anstrengend.

Gaynes: Richtig. Weil der Körper immer dann reagiert, wenn er mehr beansprucht wird als vorher. Der Tanzkurs bringt also zunächst Ergebnisse. Aber viele denken dann beispielsweise, um mehr abzunehmen gehe ich in noch mehr Tanzkurse. Das ist falsch.

mm: Warum?

Gaynes: Weil ganz schnell der Punkt kommt, an dem noch mehr Ausdauer keine weiteren Fortschritte bewirkt. Die Leute sollten lieber anfangen ihre Muskulatur zu trainieren. Ausdauertraining liegt nicht in der Natur des Menschen. Das ist ein Konstrukt, das wir uns geschaffen haben, von dem wir glauben, es sei gut für uns. Wenn Ihr Ziel ist, einen Marathon zu laufen, dann müssen Sie natürlich Ausdauertraining machen. Aber laufen allein macht Sie nicht fit fürs Leben.

mm: Was steckt hinter ihrem Lifestyle-Fitness-Konzept LST?

Gaynes: Lifestyle Fitness basiert auf unserer natürlichen Lebenswelt. Dabei unterscheide ich zwischen Fähigkeiten, die ich mir aneigne und solchen, die in meiner Natur liegen. Ich kann mir etwas beibringen, wie Tore schießen, oder auf einem Bein hüpfen. Aber wichtig sind die Fähigkeiten, die in meiner Natur liegen und die ich mein Leben lang brauche: Hinsetzen, aufstehen, mich vorwärts bewegen, etwas ziehen, etwas drücken. Und mein Training zielt darauf ab, genau diese Abläufe bis ins hohe Alter ohne Probleme bewältigen zu können. Dafür brauche ich Kraft.

mm: Ich brauche Kraft, um mich hinzusetzen und wieder aufzustehen?

Gaynes: Hinsetzen und aufstehen, das ist nichts anderes als eine Kniebeuge, und die muss ich immer wieder machen, und zwar mit Intensität. Alte Menschen, die über Jahre nichts für ihre Muskulatur getan haben, für die kann hinsetzen und aufstehen zum Problem werden. Oder sie kommen die Treppen nicht mehr hoch. Warum? Weil sie schwach geworden sind, weil sie keine Kraft haben, und nicht, weil ihnen Ausdauer fehlt. Da müssen wir gegenarbeiten.

mm: Die Fitnessindustrie ist erfolgreich mit Ausdauerkursen wie Zumba. Sind solche Konzepte eine Lüge am Verbraucher sind?

1. Teil: “Ausdauer ist unnatürlich”
2. Teil: Mit dem Supermarkt-Workout könnte es beginnen
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10.04.2015  Fitnessguru Fitzroy Gaynes
“Ausdauer ist unnatürlich”
VON SARAH J. TSCHERNIGOW27.472
Fitnessguru Fitzroy Gaynes: Schwitzen für mehr Kraft Fotos
Hans-Jürgen Rösl
2. Teil: Mit dem Supermarkt-Workout könnte es beginnen

Gaynes: Sagen wir so: Die Fitnessindustrie will Geld machen. Und das geht am besten, indem sie Spaß verkauft. Kurse wie Zumba sind gut für diejenigen, die nur auf der Couch sitzen. Die kann man damit abholen, weil sie dann wenigstens ein bisschen was tun und der Spaß sie motiviert. Statt Zumba könnte diese Zielgruppe aber genauso gut mein Supermarkt-Workout machen. (lacht)

mm: Was bitte ist ein Supermarkt-Workout?

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Fitnessguru Fitzroy Gaynes: Schwitzen für mehr Kraft
Gaynes: Ganz einfach. Ich sage jemandem, der nur zuhause sitzt: Du gehst drei mal die Woche zu Fuß einkaufen, schnappst dir einen Korb und sammelst zwanzig Minuten lauter Dosen ein und sortierst sie danach wieder zurück. Wenn derjenige vorher nur rumgelegen hat, wird er etwas spüren, das garantiere ich! Aber das ist nur ein Start. Mit “fit fürs Leben” hat das nichts zu tun. Auch von Zumba kriegst du keinen starken Körper und schon gar kein Sixpack, aber so verkaufen sie es.
mm: Sie behaupten sogar, Ausdauertraining macht unfit. Erklären Sie das bitte.

Gaynes: Schauen Sie sich zum Beispiel Menschen an, die ausschließlich in Zumbakurse oder Spinningkurse gehen. Die nur das machen. Sie haben keinen fitten Körper, viele haben einen dicken Bauch. Warum? Weil sie mit diesem Workout nicht hart genug trainieren können, damit im Körper etwas passiert.

mm: Aber eine Stunde Spinning ist total anstrengend!

Gaynes: Ich spreche von einer Intensität, die Sie vielleicht 20 Sekunden halten können. Einen Sprint. Rennen oder strampeln Sie so schnell Sie können, das geht nicht länger. Das sollten Sie tun. Sprinten. Diese Kurse aber gehen eine Stunde. Und man kann nicht eine Stunde lang hochintensiv trainieren. Das heißt, man täuscht dem Körper eine Anstrengung vor, die aber letztlich nur mäßig ist. Das ist Stress für den Körper, der dann anfängt Cortisol auszuschütten. Das kann ansetzen und tatsächlich dick machen.

mm: Wenn Ausdauer dick macht, wieso sind Marathonläufer dann so dünn?

Gaynes: Sie rennen so extrem viel und so lange, dass sie natürlich Kalorien verbrennen. Aber Muskulatur haben sie nicht. Also sollten wir sie uns nicht als Beispiel nehmen. Marathonläufer tun sich wirklich überhaupt nichts Gutes. Wenn ich Politiker wäre, würde ich Marathonläufe in der Stadt verbieten. Jedes Mal kippen Leute um, oder sterben sogar, weil das eine totale Überlastung ist. Ich kenne niemanden, der an Kraftsport gestorben ist. Verstehen Sie mich nicht falsch. Wenn es Ihnen Spaß macht stundenlang zu laufen, werde ich Sie davon nicht abhalten. Aber machen Sie sich klar, dass das mit Fitness nichts zu tun hat. Und schauen Sie sich die Bilder an von erfolgreichen Marathonläufern an: sie sind Spitzensportler, aber sehen aus wie halb tot. Schauen Sie sich dagegen ein Foto von einem Sprinter an. Wie wollen Sie lieber aussehen?

mm: In Ihren Kursen geht es zu wie in einem Bootcamp. Kniebeuge, Liegestütz… bis die Letzten nicht mehr können. Ist das denn gesund?

Gaynes: Natürlich. Denn ich pushe jeden an seine persönliche Grenze. Auch meine Oma könnte in den Kurs kommen. Sie macht dann ganz leichte Liegestütze aufrecht gegen die Wand, so wie sie es schafft. Wer sportlich ist, wird am Boden gedrillt. Und wie ich schon sagte: Kniebeuge, Liegestütz… das sind unsere natürlichen Bewegungen: hinsetzen, aufstehen, drücken und ziehen. Jeder auf seinem Level. Aber jeder soll seine 80 bis 100 Prozent geben. Und das Gute ist: Sie können die Intensität immer hochschrauben. Ist die Kniebeuge zu leicht, packen Sie mehr Gewicht rauf. Wie wollen Sie die Intensität eines Zumba-Kurses erhöhen? Schneller, schneller? Davon werden Sie nicht stark.

mm: Ein fitter Körper ist also ein kräftiger Körper?

Gaynes: Ja, denn ohne Kraft könnten wir uns nicht bewegen. Babys können irgendwann laufen, weil sie wachsen und stark werden. Im Alter können wir irgendwann nicht mehr laufen, weil unsere Muskulatur nachlässt, wenn wir nicht gegensteuern. Und dann heißt es ab einem gewissen Alter: Ich kann nicht mehr in den fünften Stock laufen, ich bin zu alt. Oder: Mein Rücken tut weh, ich brauche eine neue Matratze. Aber was Sie dann meistens brauchen, das ist ein neuer Rücken.

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